Straßenbahnen der Bauart Tatra

Rekonstruierter Straßenbahnzug Typ T3D/B3D

In den neuen Bundesländern sind die Anforderungen an den modernen Nahverkehr gestiegen.
Das betrifft vor allem den schienengebundenen Nahverkehr und die dort eingesetzten Fahrzeuge. Da der bestehende Fuhrpark in kürzester Zeit nicht komplett erneuert werden kann, geht es vielmehr um die Modernisierung vorhandener Straßenbahnen.
Die Waggonbau Bautzen GmbH stellt mit der Rekonstruktion der Tatra-Wagen vom Typ T3D/B3D aus dem Bestand der Chemnitzer Verkehrs-AG eine mögliche Alternative vor.











Wagenkasten:

Das neu gestaltete Dach ist die auffälligste Veränderung an den Wagenkästen. Trotz zusätzlicher An- und Aufbauten, wie Fahrgastinformationen und Dachbelüftung, wurde ein einheitliches Äußeres geschaffen.
Gleichzeitig erlaubt die neue Dachform eine bessere Gestaltung der Deckenverkleidung.

Die Verbindung von Seitenwand und Dach konnte durch Minimierung der Materialdoppelungen korrosionsgünstig ausgeführt werden.
Eine innere Dachentwässerung gestattet den Verzicht auf eine bisher verwendete Regenrinne, somit entfallen auch Korrosionsgefährdung und Verschmutzung der Seitenwand.

Am ersten Triebfahrzeug fällt stirnseitig das anstelle der Kupplung federnd gelagerte Prallelement auf. Es soll bei Auffahrunfällen die Schäden gering halten und ein Überrollen verunfallter Passanten verhindern.

Um einen sauberen Grund für den Farbaufbau zu erhalten, wurden Wagenkasten und Untergestell gestrahlt, der gesamte Wagenkasten gerichtet und die Seitenwandbleche nachgespannt.
Durchgehende Schürzen an allen Fahrzeugen verkleiden die Drehgestelle.

Wärme- und Geräuschisolation:

Die Seitenwände, das Dach, die Stirn- und Heckpartie der Fahrzeuge sind mit einer schallabsorbierenden Schicht und in Folie verpakten Mineralfasermatten versehen.
Wasserfest verleimte Sperrholzplatten, an deren Unterseite Gummiplatten aufvulkanisiert sind, bilden den Fußboden.
Das Abstrahlen von Fahr- und Rollgeräuschen wird durch schallschluckende Auskleidungen der Drehgestellschürze verringert.

Innenausstattung:

Verändert ist auch der Fahrgastraum. Die Sandwich-Innendecke und die Innenverkleidung wurden neu gestaltet.
Die Dachvoutenverkleidung verdeckt die Luftkanäle und nimmt gleichzeitig die oberhalb der Fenster angeordneten Leuchtbänder, auf.

Besonders reinigungsfreundlich ist der rutschfeste, nicht strukturierte Bodenbelag, der an den Seitenwänden wannenförmig hochgezogen wurde.

Fenster:

Im Fahrgastraum wurden großflächige Festfenster aus Einscheibensicherheitsglas eingesetzt.
An den Wagenenden befinden sich auf beiden Seiten Klappfenster, der Fahrzeugführer hat ein Schiebefenster.

Sitze:

Die selbsttragenden GFK-Schalensitze sind schwer entflammbar und vandalismusresistent.
Eine leichte Polsterauflage für Sitz- und Rückenlehne ist der Farbigkeit des Innenraumes angepaßt.
An den Sitzen befinden sich plastpulverbeschichtete Haltegriffe.

Heizung und Lüftung:

Für die ausreichende Belüftung des Fahrgastraumes sorgt ein Dachbelüftungsgerät, das die Luft über im Voutenbereich angeordnete Kanäle verteilt und durch Schlitze in den Voutenverkleidungen in den Fahrgastraum bläst.

Die Zusatzheizung besteht aus Konvektionsheizkörpern, die sich an den Seitenwänden, unterhalb der Sitze befinden. Die Heizungsregelung von Fahrgast- und Führerraum erfolgt getrennt, die Temperatur wird durch Fühler überwacht.

Fahrzeugführerraum:

Der Führerraum im ersten Triebfahrzeug wurde wesentlich vergrößert.
Ein fest verglastes Wandteil und eine verglaste Tür gewähren die Sicht in den Fahrgastraum.
Die Arbeitsbedingungen des Fahrzeugführers werden durch einen bequemen Sitz, ein neugestaltetes Pult sowie eine optimale Lüftung mit Ansaugung der Zugluft im Dachbereich und Heizung wesentlich verbessert.
Eine einarmige Scheibenwischwaschanlage mit Intervallschaltung sorgt für klare Sicht.

Der Außenspiegel ist beheizbar und elektrisch vom Fahrerpult aus verstellbar.

Einstiege:

Die modernen, fahrgastfreundlichen Außenschwingtüren öffnen und schließen sich elektromechanisch. Sie können vom Fahrzeugführer oder Fahrgast bedient werden und besitzen eine Reversierautomatik.

Die dazu notwendige Türsicherung erfolgt über Lichtschranke, Druckwellenschalter und Motorstromüberwachung.

Die erste Tür am ersten Triebfahrzeug ist einflüglig mit 650 mm lichter Durchgangsweite. Alle anderen Türen sind zweiflüglig und haben ein lichtes Maß von 1 150 mm. Die Einstiege sind aus nicht rostendem Stahl.

Sandstreuer:

Vor dem führenden Radsatz eines jeden Drehgestells der Triebwagen befinden sich zwei mit Kleinkompressoren versehene Sandstreueinrichtungen,sie sind unter den Sitzen im Fahrgastraum angeordnet.

Spurkranzschmieranlage:

Um den Spurkranzverschleiß zu minimieren, ist im ersten Triebfahrzeug eine Spurkranzschmieranlage installiert.

Elektrische Ausrüstung:

Die PCC-Fahr- und Bremssteuerung wurde beibehalten, der dynamische Umrichter aber durch einen statischen ersetzt.

Er ist im hinteren Teil des Untergestells der Triebfahrzeuge untergebracht und versorgt das Bordnetz mit 24 V Gleichstrom und 380 V Drehstrom / 220V Wechselstrom.

Leistungsfähige Lüfter kühlen Beschleuniger und Fahrmotoren. Diese neuen Lüfter verringern die Geräusch- und Schwingungsbelastung des Fahrzeuges. Die Kühlluft wird über Filter gereinigt. Bei Stillstand des Fahrzeuges schalten die Lüfter zeitverzögert ab.

Fahrgastinformation:

Zur modernen Fahrgastinformation gehören ein IBIS-Steuergerät mit entsprechenden Baugruppen:
- Ziel- und Linienanzeige vorn, seitlich und innen
- Linienanzeige hinten
- digitale Haltestellenansage
- Lautsprecher innen und außen
- Fahrkartenentwerter

Sonstige Einrichtungen:

Im Heckbereich eines jeden Fahrzeuges befindet sich ein Rangierfahrstand. Der Stromabnehmer wird elektrisch betätigt.
Als Batterie kommt eine wartungsfreie Bleitrocken-Batterie (80 Ah) zum Einsatz.

Technische Daten Stadtbahnzug Typ T3D/B3D für die Chemnitzer Verkehrs-AG

Spurweite:   1435 mm
Länge des Wagens über Kupplung:   14950 mm
Länge des Wagens über Blech:   14000 mm
Breite des Wagens:   2500 mm
Höhe des Wagens über Dach:   3102 mm
Radstand der Drehgestelle:   1900 mm
Drehzapfenabstand:   6400 mm
Raddurchmesser:   700 mm
Platzangebot:   30 Sitzplätze
Höchstgeschwindigkeit:   55 km/h

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Quelle: Informationunterlagen Waggonbau Bautzen GmbH

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